Sie haben eine Sicherheitsfachkraft? Gut. Nächster Halt: Sicherheitskultur.

So ermöglichen Sie Erfolg und Effizienz im Arbeitsschutz

10 Minuten

von Karri Takki

Nach § 1 Arbeitssicherheitsgesetz und DGUV Vorschrift 2 muss jeder Betrieb eine bestimmte Anzahl an Sicherheitsfachkräften (auch Fachkraft für Arbeitssicherheit oder kurz „FaSi“ genannt) bestellen.

Was bedeutet das für Sie? Mit der Einhaltung dieser Vorgaben leisten Sie Ihr Minimum für betrieblichen Arbeitsschutz. Entsprechend können Sie auch ein Minimum an Ergebnissen und Qualität erwarten. Wenn Sie das Maximum wollen, brauchen Sie mehr als eine Sicherheitsfachkraft. Sie brauchen eine Sicherheitskultur.

Haftung und Verantwortung im Arbeitsschutz

§ 13 ArbSchG geht von einer geteilten Verantwortung für den betrieblichen Arbeitsschutz aus. Die Pflichten können von der Unternehmensführung teilweise an Führungskräfte delegiert werden.

 

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Warum Sicherheitsfachkräfte scheitern …

Der renommierte Arbeitsschutzexperte Prof. Dr. Andrew Sharman beschreibt das Problem von Sicherheitsfachkräften sehr amüsant in einem Artikel: Als er auf einer Abendveranstaltung erwähnt, dass er Experte für Arbeitsschutz sei, wird er prompt mit dem typischen Klischee konfrontiert: „Ach, sie sind einer von denen, die andere davon abhalten ihre Arbeit zu tun, nur weil sie ein kleines bisschen gefährlich sein könnte.”

Die Rolle einer Sicherheitsfachkraft ist keineswegs immer einfach. Schlimmstenfalls betrachten die Mitarbeiter sie als ein Hindernis, das effizientes Arbeiten erschwert und sie davon abhält, ihre eigentlichen Ziele zu erreichen und dadurch zu Wachstum und Erfolg des Unternehmens beizutragen. Bevor Sie zusehen müssen, wie Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit das Handtuch wirft, lassen Sie uns lieber verstehen, warum diese es in Ihrem Unternehmen so schwer hat. Häufig scheitert sie an zwei Faktoren:

  1. Ihr fehlen die notwendigen Ressourcen für gutes Arbeiten.

  2. Sie ist Einzelkämpfer und muss Sicherheitsmaßnahmen ohne Unterstützung durch Geschäftsführung, Führungskräfte Sicherheitsmaßnahmen durchboxen.

Wenn Sie diese beiden Probleme angehen, kann Ihr Unternehmen zu einem Ort der Kollegialität – und Sicherheit – werden.

  • Erst wenn die Fachkraft für Arbeitssicherheit notwendige Ressourcen und Unterstützung erhält, kann Ihr Unternehmen zu einem Ort der Kollegialität und Sicherheit werden| © iStock: Smederevac

Sicherheitskultur heißt: Jeder ist Sicherheitsfachkraft

Was geschieht, wenn Sie allein Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit die in § 6 Abs. 3 Arbeitssicherheitsgesetz vorgeschriebenen Aufgaben überlassen?

§ 6 Absatz 3 ASiG

"Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben [...] die Durchführung des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung zu beobachten und im Zusammenhang damit [...]  die Arbeitsstätten in regelmäßigen Abständen zu begehen und festgestellte Mängel dem Arbeitgeber oder der sonst für den Arbeitsschutz und die Unfallverhütung verantwortlichen Person mitzuteilen, Maßnahmen zur Beseitigung dieser Mängel vorzuschlagen und auf deren Durchführung hinzuwirken [...]."

Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

Bei der gewissenhaften Ausführung dieser komplexen Aufgaben wird Ihre Fachkraft mit Image- und Effizienzproblemen zu tun bekommen. Denn: Bei ihren zahllosen und regelmäßigen Begehungen sowie der Kommunikation von Mängeln wird sie nicht nur als „Polizei des Betriebs“ wahrgenommen, sondern hat zum anderen ein Arbeitspensum, bei dem sie nur ein absolutes Minimum an (reaktivem) Arbeitsschutz bewerkstelligen kann. Sie kann also bestenfalls noch auf unsichere Situationen reagieren, diese also ansprechen und auf Fehler hinweisen. Dass sie tatsächlich alle Schwachstellen findet und ihre Inspektionen sowie eventuell abgeleitete Maßnahmen auch zu notwendigen Änderungen führen, ist damit noch lange nicht gesagt.

Ein wesentlich effizienterer Weg besteht darin, Führungskräfte, Projekt- und Produktionsmanager (und letztendlich auch deren Teams) zu motivieren, das Wahrnehmen und Melden von Sicherheitsaspekten zu einem normalen Bestandteil ihrer täglichen Arbeit zu machen. Dies entlastet die Sicherheitsfachkraft von ständiger Einzelinspektion und Berichterstattung. In einer idealen Welt wird jeder – vom einfachen Arbeiter bis zum Top-Manager – zum Sicherheitsbeauftragten in seinem Bereich. Wichtig dabei ist: Erfolgreicher kultureller Wandel braucht ein stetiges Signal vom Management. Wenn es also um die Verbesserung der Arbeitssicherheit geht, sollten Geschäftsführung und Führungskräfte als Vorbild voran gehen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.

Rahmenbedingungen für Sicherheitskultur

Damit Berichterstattung im Arbeitsschutz zu einer echten Teamleistung wird, braucht Ihr Unternehmen moderne Lösungswege. Der Prozess des Beobachtens und Meldens von Ereignissen (Incident Management) muss automatisiert und anwenderfreundlich sein, sodass wirklich die gesamte Belegschaft Teil der Sicherheitskultur werden kann. Eine auf Arbeitsschutz spezialisierte Softwarelösung kann Ihnen sehr effizient dabei helfen, diese Rahmenbedingung zu schaffen.

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Sobald Sie einen gewissen Grad an Sicherheitskultur erreicht haben und sich alle Beschäftigten am Arbeitsschutz beteiligen, generiert Ihr Unternehmen eine viel größere Menge an nützlichen Daten. In einer geeigneten Arbeitsschutz-Software können diverse Berichte, Analysen und Beobachtungen gleichzeitig einfließen. Die Sicherheitsfachkraft wiederum kann diese Ergebnisse verarbeiten, um Risiken für das Unternehmen zu erkennen und zu minimieren.

Man kann es nicht oft genug sagen: Damit Sicherheit in Ihrem Unternehmen wirklich gewährleistet wird, müssen Mitarbeiter auf allen Ebenen einbezogen werden. Wenn jeder Verantwortung für Arbeitsschutz trägt, wird Compliance auch nicht als Belästigung oder Behinderung betrachtet.

Nutzen Sie das Potenzial Ihrer Sicherheitsfachkraft

Nur in einer gelebten Sicherheitskultur kann Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen: Sie kann als Experte fungieren, der Teamleitern und Führungskräften hilft, besseren und regelkonformen Arbeitsschutz zu erreichen. Neben dieser beratenden Tätigkeit spielt sie dauerhaft eine wichtige Rolle bei der Aus- und Weiterbildung der Belegschaft.

Durch die Unterstützung des gesamten Unternehmens gewinnt Ihre Sicherheitsfachkraft außerdem Zeit, sich mit proaktivem Arbeitsschutz zu beschäftigen. Sie kann wichtige Safety Trends ausmachen, neue Technologien und Ansätze wie bspw. Safety II oder Behavior Based Safety prüfen, Sicherheitsrisiken und Krisen antizipieren und aktuelle Arbeitsschutzthemen wie psychische Belastungen rechtzeitig angehen.

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Immer mehr Experten weisen darauf hin, dass traditionelle Konzepte von Arbeitssicherheit zu kurz gegriffen sind und herkömmliche Methoden nicht ausreichen, um ein nachhaltig sicheres Umfeld für Mitarbeiter zu schaffen. Neue Ansätze zeigen, wie Sie Mitarbeiter einbinden und eine proaktive Sicherheitskultur erreichen:

  • Behavior Based Safety

  • Psychological Safety

  • Safety II

  • Safety Differently

 

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Maximaler Arbeitsschutz

Wenn Sie ein Maximum an Arbeitsschutz und Compliance wollen, muss sich eine maximale Anzahl an Mitarbeitern, allen voran Manager und Führungskräfte, am Arbeitsschutz beteiligen. Unterstützen Sie Ihre Sicherheitsfachkraft und alle Mitarbeiter, die in Ihrer Unternehmenskultur zu Arbeitsschutzexperten werden, durch Ressourcen und Ihr Engagement! Erst wenn jeder sich am Arbeitsschutz beteiligen kann und sich für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und vor allem um das gesundheitliche Wohl aller Kollegen verantwortlich fühlt, haben Sie den Grundstein dafür gelegt, dass alle Mitarbeiter am Ende jedes Tages physisch und psychisch gesund nach Hause gehen.

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